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Erneuerung? Besser: Warum eigentlich Parteiarbeit?

Warum sollte man als Mitglied dieser Partei, neben dem alltäglichen Stress, wie Arbeit, Ausbildung, Studium, Zeit für die angenehmen Seiten des Alltages wie Familie oder Freizeit für Parteiarbeit opfern? Timo Lorenz (KV Ostalb) setzt sich in seinem Gastbeitrag mit dem Wert politischen Engagements auseinander.

 

Viele von uns wollen inhaltlich vorankommen, sich nicht nur Gedanken über eine bessere Gesellschaft machen, diese aktiv mitgestalten, etwas bewirken. Viele von uns wollen kritisch-konstruktiv arbeiten, nicht nur „Erneuerung“ brüllen und es dabei belassen, sondern einen an unseren Grundwerten orientierten realen und realistischen Wandel in dieser Partei, in dieser Gesellschaft. Viele von uns sind allerdings auch so naiv zu glauben, dass alle am inhaltlichen Diskurs interessiert sind, die Zukunft gestalten und nicht nur ihre eigenen gehaltenen Posten in die nächste „Erneuerung“ retten wollen.


Grundsätzlich ist es ein leichtes seine Meinung zu äußern, sich in Debatten zu beteiligen und deren Ergebnisse dann in Antragsform zu gießen. Hin und wieder ist es für die Generation Z allerdings auch schwer sich zu beteiligen. Die meisten haben wenig Zeit zur Verfügung, sind an ihren freien Tagen, am Wochenende, unterwegs, haben keine Ansatz- und Anlaufpunkte, fühlen sich in den unflexiblen Strukturen vor Ort weder aufgehoben, noch aufgefangen. Auch das Einarbeiten in die politische, nicht immer verständliche, Sprache fällt vielen schwer und stellt einen Bremsklotz für das gesellschaftliche Engagement dar.


Von denen, welche die Mangelware „Zeit“ einsetzen, sich in die Inhalte und Sprache einarbeiten, um sich politisch, für andere zu engagieren, sind einige regelmäßigen Diffamierungen ausgesetzt, müssen sich intern dafür verteidigen, dass sie aktiv sind, mitdenken und gestalten wollen. Anstatt diesen Aufwand zu schätzen, fühlen sich manche in ihren Ämtern bedroht. Ein Zustand, der sich trotz des katastrophalen Bundestagswahlergebnisses nicht verändert, viel mehr verschlechtert, hat. Anstatt Wind in die Segel zu blasen, wird versucht diese zu zerfetzen. Kritische, konstruktive Debatten müssen zwingend geführt werden, am Ende sollte allerdings eine geeinte und gestärkte Partei als Sieger hervorgehen und nicht ein Teil dieser Partei.


Wir brauchen keinen Dogmatismus. Unter allen Umständen ist es notwendig, sich mit sämtlichen Standpunkten vertraut zu machen, diese aus der Sicht der anderen Person zu betrachten und zumindest zu akzeptieren. Eine unkritische Betrachtung eigener Standpunkte, deren einzige Erfolgsaussichten darauf beruhen, andere Meinungen und Inhalten bewusst zu schädigen und zu verleumden, führt nicht zu besseren Resultaten. Das gilt auch für die aktuellen „Erneuerungs“-Debatten. Wir müssen sämtliche Meinungen in diesen Prozess einfließen lassen und dafür Sorge tragen, dass jede Person, die tatsächlich an einem Diskurs von sozialdemokratischen Haltungen und an einem gemeinsamen Ergebnis interessiert ist, gehört und beachtet wird.


Zudem ist es wichtig sich nicht ausschließlich mit eigenen Inhalten zu beschäftigen. Solange wir nur über Details streiten sind wir nicht in der Lage größere Visionen zu formulieren. Wer ab und zu in den Spiegel schaut, sich kritisch betrachtet, ist auch in der Lage aus dem Fenster neben dem Spiegel zu sehen. Wer aber nur in den Spiegel schaut, sieht die Welt nicht. Gleichzeitig ist es von hoher Relevanz auch in sozialen Medien die Arbeit anderer zu schätzen und nicht zu demontieren.


Parteiarbeit ist nicht unbedingt leicht, muss es aber auch nicht sein. Ein langer harter Kampf lässt nicht selten eine Idee zu einem ordentlichen gereiften Kompromiss reifen. Dann gilt es diesen gemeinsam zu verteidigen. Am Ende des Tages ist jede und jeder der sich für eine Parteimitgliedschaft entschieden hat gewillt sich für eine bessere Gesellschaft zu engagieren. Dazu gehört auf jeden Fall auch der offene Diskurs mit Personen, die anderer Meinung sind. Wer eine soziale, gerechte und solidarische Gesellschaft will, muss schlichtweg auch etwas dafür tun. Schließlich kommt Veränderung nicht vom Nichtstun, kleinere Seitenhiebe und Rückschläge sind ein bezahlbarer Preis dagegen.

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