beads-1452994_1920

Extra Contrafactionem Nulla Salus – Fern der Opposition gibt es kein Heil

Mit Blick auf die Bayern-Wahl wirbt Stefan Gretzinger (KV Biberach) die SPD so zu präsentieren, wie sie ist. Eine Partei, die für eine hoffnungsvolle Zukunft steht. Eine Partei, die Aufstieg, Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität verspricht.

Extra ecclesiam nulla salus.
Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil.

Das wurde einst zum Dogma der katholischen Kirche erhoben. Fulgentius von Ruspe legte dies so aus, dass ein Mensch nicht gerettet werden könne, wenn er nicht im Schoß und in der Einheit der katholischen Kirche bliebe. Mag er noch so viele Almosen geben, fromme Werke vollbringen, ein gutes Leben führen – sein Heil würde er dennoch nicht finden. Schließlich gibt es dieses ja außerhalb der Kirche nicht.

Wer sich auf dieses Dogma einlässt, diskutiert zwangsläufig am eigentlichen Kern vorbei. Dann geht es nämlich eher um die Institution Kirche: Die Sakramente, die Missbräuche von Kindern, die strukturelle Benachteiligung von Frauen und Homosexuellen, den Vergleich von Schwangerschaftsabbrüchen mit „Auftragsmorden“. Man diskutiert gewissermaßen über die Form, nicht über den Inhalt.

Der eigentliche Kern, der eigentliche Inhalt ist doch die Frage, wie sich das Heil finden lässt. Wie lässt sich barmherzige Nächstenliebe, um die es einem Christenmenschen ja immer zuerst geht, vorleben?

Wenn ich mir Diskussionen auf Twitter und Facebook über den Ausgang der Bayern-Wahl anschaue, habe ich das Gefühl, dass ein Teil der SPD-Mitgliedschaft eine Mentalität hat, die ein ähnliches Dogma pflegt: Weil die bayerische Landtagswahl gnadenlos verloren wurde, müsse die Bundes-SPD nun die Große Koalition aufkündigen und endlich in die Opposition. Lieber schon gestern als heute, denn:

Extra contrafactionem nulla salus.
Außerhalb der Opposition gibt es kein Heil.

Ich muss gestehen, dass ich nach einem gewissen Wahlkampf im ersten Moment ähnlich gedacht habe. 2013 war das. Beruflich hatte ich bei meinem Bundestagsabgeordneten gearbeitet, privat hatte ich durchgehend Wahlkampf gemacht. Ein Leben außerhalb des Wahlkampfs fand fast gar nicht mehr statt. Und am Wahlabend dann das Desaster. Ein bisschen hat sich das so angefühlt, als hätte ich über Monate ein Mädchen umworben. Und kassierte dann den Korb.

Im ersten Moment wäre ich in so einer Situation natürlich eingeschnappt: Die kann mir gestohlen bleiben! Aber am Ende vom Tag, nachdem ich die Zurückweisung verdaut hätte, würde ich ihr doch trotzdem ein gutes Leben wünschen und aus tiefstem Herzen gönnen. Was wäre ich sonst für ein Mensch?

Und, mit ein bisschen Rückschau, habe ich dann auch das Wahlergebnis so gesehen: Ich will doch trotz allem, trotz des vermeintlich unverschämten Wahlergebnisses, das Beste für’s Land. Und was soll denn bitte Gutes für die Bundesrepublik, für Europa, für die Familien, für die Menschen entstehen, wenn die SPD auf den harten Oppositionsbanken verkümmert? Was wäre mein Antrieb, mich politisch zu engagieren, wenn nicht der Wunsch, dass es dem Land und seinen Menschen gut geht?

Andere mögen zu anderen Schlussfolgerungen kommen. Das ist durchaus legitim.

Die aktuelle Krise der Sozialdemokratie, die sich (mit einigen wenigen scheinbaren Ausnahmen) europaweit abzeichnet, hängt aber nur oberflächlich mit der Frage GroKo or NoGroKo zusammen. Diese Krise geht viel tiefer. Und dennoch habe ich auch in diesem Blog wertvolle Absätze über die Koalitionsfrage und meine Haltung dazu verschwendet. Und warum habe ich das getan? Weil, wer sich auf dieses Dogma einlässt, zwangsläufig am eigentlichen Kern der Sache, am eigentlichen Inhalt vorbei diskutiert.

Die SPD steht für eine hoffnungsvolle Zukunft!

Sind wir mal ehrlich: Wenn jemand heute „SPD“ hört, dann bekommt er doch automatisch schlechte Laune. Man denkt sofort an irgendwelche Debatten, die an der Gemütslage des Mainstreams vorbeigehen, an lange Gesichter an Wahlabenden und natürlich auch an all das Übel in der Welt, das die SPD noch nicht ausmerzen konnte.

Irgendwie haben wir es als SPD geschafft, dass wir uns selbst für alles Schlechte unter der Sonne verantwortlich machen. Und dass alles Schlechte mit uns assoziiert wird. Selbst der Rosenkrieg des CSU-Vorsitzenden mit der CDU-Vorsitzenden! Irgendwie haben wir es geschafft, dass die Leute das Gefühl haben, dass wir sogar daran schuld seien.

Das ist doch die eigentliche Thematik der aktuellen SPD-Krise. Das ist doch das Problem, das wir angehen müssen. Wenn jemand diese drei Buchstaben hört, dann darf er keinen Hautausschlag bekommen. Wer diese drei Buchstaben hört, muss sofort an eine hoffnungsvolle Zukunft denken. Daran, dass nicht entscheidend sein darf, woher jemand kommt, sondern wohin jemand will. Er müsste sofort an Freiheit denken. Und an Gerechtigkeit und Solidarität.

Wie können wir es schaffen, wieder als Versprechen für ein besseres Morgen wahrgenommen zu werden? Das müssen wir uns fragen. Das ist der eigentliche Kern. Das ist der eigentliche Inhalt. Und wer auf diese Frage antwortet „Na, in der Opposition natürlich“, verkennt den Ernst der Lage und lenkt sich ab. Derjenige diskutiert dann über die Form, nicht über den Inhalt. Wer sagt, dieser Inhalt könne in der Form der Großen Koalition ja überhaupt gar nicht gelingen, der macht uns unfassbar klein.

Weil die Union Gift und Galle gegen sich selbst spuckt, können wir als SPD die bayerische Landtagswahl nicht gewinnen? Weil Merkel das Konzept der asymmetrischen Demobilisierung verfolgt, sind wir nicht in der Lage den Kanzler zu stellen? Weil die Union inhaltlich ausgesaugt ist, wissen die Menschen nicht mehr, wofür die SPD eigentlich steht?

Ernsthaft? Für wie beschränkt und ohnmächtig halten wir selbst uns denn eigentlich? Wir dürfen die Zukunft der SPD doch nicht von der Entwicklung der Union abhängig machen. Wo kämen wir denn dahin?

Die SPD muss es schaffen, in jeder Form den richtigen Inhalt zu finden. Allein aus der stolzen Vergangenheit der SPD kann man noch keine sichere Zukunft ableiten. Die Lage ist ernst. Den Luxus von endlosen Form-Diskussionen können wir uns nicht leisten.

Es gibt Heil außerhalb der Kirche. Es gibt Heil außerhalb der Opposition. Wir müssen es nur finden. Darum muss es jetzt gehen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.