StillstandDebatte3.0

Jubiläumsbeitrag: Es ist Zeit für Debatten!

Der 100. Beitrag in unserem Debatten-Blog bietet uns die Gelegenheit zu reflektieren. Warum diskutieren wir eigentlich miteinander? Bringen uns Debatten wirklich weiter? Mit diesen Fragen setzen sich unsere beiden frisch gewählten KONTRA-Redakteure, Jule Simon (KV Tübingen) und David Schwarz (KV Ludwigsburg), auseinander.

„Lass uns diskutieren, denn in unserem schönen Land sind zumindest theoretisch alle furchtbar tolerant. Worte wollen nichts bewegen, Worte tun niemandem weh. Darum lass uns drüber reden, Diskussionen sind ok.“

Wir stimmen in vielen Punkten mit den Ärzten überein – Gewalt kann ein stummer Schrei nach Liebe sein; ein wenig Heuchelei können wir uns durchaus leisten und nur weil alle ihren Kopf ausruhen, musst Du es nicht genauso tun. Und auch das Lied „Deine Schuld“ enthält viel Wahres. Es ist aber diese eine Strophe, die bei uns schon immer auf Unverständnis gestoßen ist – eine Strophe, die Diskussionen als unwichtiges Geplänkel ab tut, die Debatten als nichtssagende Spielerei in akademischen Kreisen darstellt, die der verbalen inhaltlichen Auseinandersetzung jegliche ernst zunehmende Relevanz abspricht.

Lass uns inhaltlich diskutieren!

Anlässlich des 100. Beitrags im Blog des Kontra wollen wir grundsätzlich werden und klären, warum Diskussionen, Debatten, Wortgefechte und Kontroversen der Kern einer demokratischen, aufgeklärten Gesellschaft sein müssen und warum wir Jusos diese genau deshalb pflegen und weiter ausbauen. Als Juso ist man es inzwischen gewohnt, dass es mit dem Kontra und seinem Debatten-Blog viel Raum für inhaltliche Auseinandersetzungen gibt. Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigt ein Blick über den Tellerrand, etwa auf das Magazin „Humane Gesellschaft“ der Jungen Union Baden-Württemberg. Ein Interview mit MdL Fabian Gramling wird hier genutzt, um seine Sport-Routine näher kennen zu lernen. Und wir finden auch ein – bestimmt hervorragendes – Rezept für Rosmarinlachs mit karamellisiertem Ofengemüse. Schön – nur die Inhalte fehlen, genauso wie kontroverse Debatten. Warum wir im Kontra nicht über das wöchentliche Workout von unserem Fraktionsvorsitzenden im Landtag Andreas Stoch berichten oder unser liebstes Maultaschen-Rezept teilen – das ist Thema dieses Artikels.

Lass uns Demokratie leben!

In einer Demokratie soll der Wille des Volkes herrschen. Damit dies geschehen kann bedarf es Dreier Schritte: Das Volk muss sich einen Willen bilden können; das Volk muss diesen Willen artikulieren und schließlich: Der Wille muss von Politiker*innen – meist in Form eines Kompromisses – umgesetzt werden. Das ist natürlich sehr einfach formuliert. Das Volk existiert nicht als eine Einheit mit einer Stimme. Soll der oben skizzierte Dreischritt dennoch angewendet werden, soll also Demokratie stattfinden, muss eines passieren: Es muss debattiert werden. Debatten bieten verschiedenen Meinungen eine Bühne, erlauben es, Argumente auf ihre Standfestigkeit zu überprüfen, schaffen Raum für Erklärungen, Einsicht und Erkenntnis. Durch Debatten können sich Ansichten herausbilden, verbreiten und schließlich zum Willen einer Mehrheit herausbilden.

Lass uns dem Trend der Zeit entgegenwirken!

Gerade in Zeiten, in der eine aufgeklärte Debattenkultur herausgefordert wird von einer Berichterstattung, die das Skandalöse viel lieber zelebriert als es zu hinterfragen, die sich lieber in nicht enden wollenden Kreise um ein und dasselbe Thema dreht als die vielen anderen, nicht minder wenn nicht gar wichtigeren, aktuelleren, Fragen zu beleuchten, gerade in diesen Zeiten, in denen nicht das beste, weil fundiert und menschlich und logisch nachvollziehbar, sondern das lauteste, emotionalste Argument gewinnt, gerade jetzt müssen Debatten, die auch abweichende Ansichten zulassen, die kritische Fragen und durchdachte, sachkundige Lösungsvorschläge dem postfaktischen Geschrei vorziehen, geführt, gefördert und gestärkt werden.

Diesem Gedanken folgt auch die Aktion “Deutschland spricht”, die am 23. September zum zweiten Mal durchgeführt wurde. Unter der Schirmherrschaft von Frank-Walter Steinmeier trafen sich auf Initiative verschiedener Medienunternehmen nach Anmeldung über 10.000 Paare, jeweils zusammengestellt aus zwei Partnern mit unterschiedlichen politischen Ansichten um über diese zu diskutieren. Eine tolle Aktion, die Respekt und Toleranz fördert und dazu beiträgt, die politische Debatte in Deutschland nicht abreißen zu lassen – so unvereinbar die unterschiedlichen Meinungen auch scheinen.

Lass uns debattieren – im Blog

“Deutschland spricht” ist eine Initiative, die zu befürworten ist, hängt aber mit sehr viel Organisationsaufwand, Kosten und Ressourcen zusammen, die uns als Jusos nicht zur Verfügung stehen. Und damit sind wir beim Debatten-Blog. Er trägt erheblich zur politischen Bildung der Mitglieder bei – ein Hauptanliegen der Jusos – und kann bequem von Zuhause, ohne großen Aufwand bedient werden. Die Beiträge des Blogs bieten Mitgliedern die Möglichkeit, sich bei kontroversen Themen beide Seiten anzusehen, sich selbst eine Meinung zu bilden, ohne die Wahrheit von oben diktiert zu bekommen. Nicht alle Mitglieder bringen außerdem den Mut auf, während einer Debatte auf ein Podium zu gehen und vor einer Gruppe zu sprechen. Diesen Mitgliedern gibt der Blog die Möglichkeit, sich trotzdem Gehör zu verschaffen. Somit kann man ihn als ein Empowerment-Tool bezeichnen. Auch sorgt der Blog für flache Strukturen: Durch ihn wird die Debatte für noch mehr Mitglieder geöffnet, unabhängig davon wo sie wohnen, wie mobil sie sind oder wie viel Zeit sie haben.

Der Debatten-Blog leistet einen wichtigen Beitrag zur politischen Meinungsfindung im Verband und in der Partei. Durch ihn können Themen schnell und unbürokratisch an die Mitglieder getragen werden. So gewinnen auch Nischenthemen schneller an Aufmerksamkeit und Positionen werden formuliert. Ein breites Feld an Argumenten kann zu jedem Thema gefunden werden, die Meinung der Jusos wird differenzierter und besser für Diskussionen mit dem politischen Gegner gerüstet.

Lasst uns als Jusos dafür sorgen, dass die konstruktive Debatte nicht abreißt!

Nutzt die Euch gegebenen Werkzeuge, tut Eure Meinung kund, seid offen dafür, von den besseren Argumenten überzeugt zu werden und hört nicht auf, zu hinterfragen, zu kritisieren und Vorschläge zu machen. Denn: “Du musst nicht akzeptieren, was Dir überhaupt nicht passt, wenn Du Deinen Kopf nicht nur zum Tragen einer Mütze hast.”

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