Kopftuch Kontra Artikel 1 (1)

Kopftuch. Ja? Nein? JEIN!

Nochmal Kopftuch-Debatte? Stefan Gretzinger (KV Biberach) geht die Sache in seinem Gastbeitrag aus etwas anderer Perspektive an…

Ich merke an meinem Facebook-Feed, dass wieder viel über Kopftücher diskutiert wird. Anlass ist dieses Mal ein neuer Emoji oder eine Barbie-Puppe? Auf jeden Fall etwas banales. Deshalb will ich hier erstmal gar nicht über Kopftücher schreiben, sondern lieber über etwas wirklich wichtiges: Löffel.

Löffel sind etwas schönes. Man kann damit Suppe essen, Kaffee umrühren oder Heroin kochen. Der Löffel an sich bleibt weder gut noch böse. Es kommt darauf an, wofür er verwendet wird. Niemand bei klarem Verstand käme auf die Idee, dass die Politik jetzt vorzuschreiben habe, dass jeder Haushalt nur noch Plastiklöffel verwenden darf. Wir würden das – zurecht – als unnötigen Einfluss auf unser Privatleben auffassen. Wir würden uns gegängelt fühlen. Wir würden uns ungerechtfertigterweise unter Generalverdacht gestellt sehen.

Der Löffel ist Mittel zum Zweck. Wenn wir das Mittel verbieten würden, würden wir an den Symptomen, an der Oberfläche kratzen. Geholfen wäre Drogen-Abhängigen dagegen nicht.

Warum glauben dann aber viele, dass ein Kopftuchverbot unterdrückten Frauen helfen würde? Damit liegt der Fokus nur auf dem Mittel. Und das Mittel ist – in diesem Fall – weder gut noch schlecht, sondern löffelig.

Über den Zweck des Kopftuchs scheiden sich die Geister in Diskussionen. Die einen sagen, Zweck des Kopftuchs sei es, Frauen zu unterdrücken. Andere sagen, das Tragen des Kopftuchs unterstreiche ihre Verbundenheit zum Islam. Die einen erwidern dann darauf: „Moment! Man kann auch ohne Kopftuch seine Verbundenheit zum Islam ausdrücken!“ Woraufhin die anderen dann auch irgendwas erwidern. Yada. Yada. Yada.

Worauf ich hinaus will: Die Diskussion pro oder contra Kopftuch ist definitiv eine spannende. Allerdings ist sie eine theologische.

Der Staat aber hat sich aus Koranauslegungen, Bibelinterpretationen oder Tora-Analysen herauszuhalten. Wofür der Staat hingegen einzustehen hat, ist für die Unversehrtheit seiner Bürgerinnen und Bürger zu sorgen. Das heißt: Gegen Frauenunterdrückung und gegen den Missbrauch lebenszerstörender Drogen beispielsweise. Kopftuchverbot oder Plastiklöffel-Pflicht helfen da nur bedingt.

Löffel sind nützlich, um leckere Suppen essen zu können. Religionsverbundenheit ist hilfreich, um auch in schwierigen Zeiten Kraft schöpfen zu können.

Wie herzlos wäre es, würde man eins von beiden den Menschen wegnehmen!

Übrigens würden wir damit auch den Bestien des sogenannten „Islamischen Staats“ in die Hände spielen. Die wollen nämlich Musliminnen und Muslimen einreden: „Seht ihr: Das westliche Freiheitsversprechen ist eine Illusion für euch. ‚Sei doch, wie du willst‘ gilt eben nicht, wenn du muslimischen Glaubens bist“.

Ja, Religionen müssen öfters herhalten, wenn Menschenfeinde sie als Fassade über ihr Ausleben des inneren Schweinehunds stülpen. Anders Breivik hat das zum Beispiel getan, als er das Ziel formulierte, „eine Art Al-Qaida für Christen“ aufzubauen. Aber letztlich kann alles einer pervertierten Lesart unterzogen werden. Welch Gräueltaten wurden verübt und behauptet, im Namen des Sozialismus getan worden zu sein?

Unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung hält Kopftücher nicht nur aus, sie schützt sie sogar: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt“, heißt es im Grundgesetz.

PS: Natürlich verhält es sich mit dem Tragen von Tattoos verfassungsfeindlicher Organisationen anders. Aus Religion kann man Kraft schöpfen. Aus ausgelebter Verfassungsfeindlichkeit nur Hass.

PPS: Und falls mir jemand hier kruderweise unterstellen möchte, ich würde die Argumentationslinie der US-amerikanischen NRA übernehmen (sinngemäß: „nicht Waffen töten Menschen, sondern Menschen töten Menschen“), dem sei gesagt, dass es sich mit Waffen anders verhält. Waffen können nur ein Mittel zur Gewaltanwendung sein. Das Gewaltmonopol liegt beim Staat. Deshalb haben sie außerhalb der Jagd in ziviler Hand nichts verloren.

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