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Lang lebe das Paradies!

Die „Paradise Papers“ beschäftigen das Land – und auch viele Jusos. Unsere frisch gewählte KONTRA-Redakteurin Kathrin Morasch (KV Konstanz) schreibt sich in ihrem Beitrag den Frust von der Seele. Vorsicht: Sarkasmus.

Umgeben von klarem Wasser und reiner Luft, in einem der klassischen britischen Cottages den Sonnenuntergang betrachten und dabei einen edlen Tropfen trinken und eine Zigarre rauchen. So manch einer würde ein solches Leben wohl als ein Leben im Paradies bezeichnen. Ein Paradies namens Isle of Man.

Paradise Papers. Klingt schöner als es ist, auch wenn man wohl keinen passenderen Namen hätte finden können. „Paradise“ gibt es für Unternehmen und Superreiche auch in Europa genug, da müssen wir nicht erst in die Karibik fliegen (wobei das auf dem einfachen Dienstweg mit dem hauseigenen Privatjet natürlich auch kein Problem wäre).

13, 4 Millionen Dokumente, 400 Journalisten und 1 Jahr. All das ist nötig um unser Steuersystem und seine Machenschaften aufzudecken. Transparenz? Fehlanzeige. Aber mal ehrlich, warum sollte denn auch jeder sehen können, wer wo wieviel Steuern bezahlt? Absurde Idee.

Krasse Dimensionen

17 Milliarden Euro oder, wie andere sagen würden, „Peanuts“ ist die Zahl, die Deutschland im Jahr weniger an Steuern einnimmt. Was man alles mit diesem Geld machen könnte! Die Jusos Konstanz könnten sich ihren lang gehegten Traum vom eigenen Hubschrauber erfüllen, getreu dem Motto: Es gibt nur eine Sache, die besser ist, als das Fliegen in einem privaten Hubschrauber- und das ist das Fliegen in einem eigenen Hubschrauber.

Einen Luxushubschrauber bekommt man ja schon für schlappe 5 Mille. Bleiben also immer noch 16.995 Milliarden übrig, die man in Schulen, Kitas, sozialen Wohnungsbau und eine funktionierende Infrastruktur investieren könnte.

Aber mal ehrlich, wer will das denn schon? Man will ja nicht seinen besten Kumpel vertreiben und so riskieren, nicht mehr auf ein Champagner im Paradies eingeladen zu werden.

Das C und die Moral

Es ist schon faszinierend wie einige Politiker*innen, die gerne betonen, dass unsere Gesellschaft auf christlichen Grundwerten beruhe, solch unmoralische Verhaltensweisen akzeptieren und unterstützen können. Denn die Moral ist es auf was es in diesen Fällen ankommt.

Ja diese christliche Moral, ein Codex für Haltungen und Verhaltensweisen, ein geoffenbarter Weg, ein Leitmotiv für das richtige Handeln… Das richtige Handeln, um nach dem Tod im Paradies und nicht in der Hölle zu landen.  Verdrehte Welt! Um im Paradies der Steuern zu landen, muss man diesen Codex über Bord werfen. Wer also letztlich in der Hölle schmort sind die braven Steuerzahler.

Es ist schon absurd, dass ein Handeln, das gegen unsere angeblich moralischen Grundwerte spricht, nicht gleichhaft schuldhaftes und strafbares Handeln im Sinne unsere Gesetze ist. Hier stellt sich kein „aufrechter Christ“ hin und hebt mahnend den Zeigefinger, wie es sonst allzu gerne getan wird.  Nein wir bieten legale Wege um ins Paradies zu kommen. Warum auch nicht? Ist doch schön, wenn man den Leuten den Weg ins Paradies zeigen kann. Also natürlich nur den reichen Leuten. Arme Leute will man da ja nicht, denn diese sollen mit ihren Steuern schön  das Land finanzieren.

Jamaika und das „Paradise“…

Daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Ich bin mir sicher, dass wir die Worte „Mindeststeuersätze in der EU“ oder „Steuerwettbewerb innerhalb des EU Binnenmarktes verhindern“ geschweige denn „Änderungen unseres Steuersytems“ oder „Steuererhöhungen für Einkommen ab 250.000 Euro“ in den neuen „coalition papers“ nicht finden werden.

In Zeiten wie diesen hat das steuerzahlende Volk wohl auf das falsche Pferd gesetzt.  Unsere Gesetze werden eben für Reiche gemacht. Da kann man sich aufregen, muss man aber nicht.

Das Schlimme daran ist, dass es akzeptiert wird.

Solche Enthüllungen sind eben nichts anderes als ein kleiner Sturm in der Irischen See.  Es gibt eine starke Brandung und Wellen schlagen gegen die Felsenklippen, die diesen seit hunderten von Jahren standhalten. Und nach ein paar Stunden ist der Sturm auch wieder vorbei und man kann weiter gemütlich seinen Wein trinken und seine Zigarre rauchen.  Bis zum nächsten Sturm.

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