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Politik für junge Menschen glaubwürdig gestalten: Juso-Spitzenkandidat Leon Hahn im Interview

Der Juso-Spitzenkandidat zur Bundestagswahl und Juso-Landesvorsitzender Leon Hahn spricht mit KONTRA-Chefredakteur Sebastian Schöneck über Martin Schulz, die Erneuerung in der SPD und junge Perspektiven bei der Bundestagswahl.

Die SPD erlebt mit Martin Schulz einen ungeahnten Aufschwung – in den Umfragen, aber auch bei den Mitgliederzahlen. Besonders viele der Neumitglieder sind im Juso-Alter. Warum begeistert die SPD mit Martin Schulz gerade junge Menschen?

Wenn sich junge Menschen von einem bärtigen Brillenträger mit Halbglatze überzeugen lassen, zeigt es in meinen Augen, dass wirklich Substanz und Glaubwürdigkeit hinter der Kandidatur von Martin Schulz steht.

Warum ist Schulz so glaubwürdig?

Als er den Rechtspopulisten Synadinos nach rassistischen Äußerungen aus dem EU-Parlament geworfen hat, hat das viele junge Menschen überzeugt. Schulz zeigt Haltung gegen Rechtsextreme und Rechtspopulisten, wie Le Pen, Nigel Farrage, oder Petry und Höcke. In Zeiten von Trump, dem Brexit und starken Rechten in ganz Europa sehnen sich viele von uns nach einem starken Europäer, der nicht nur blumige Worte für Europa findet, sondern selbst aus vollem Herzen für ein soziales und solidarisches Europa kämpft.

Außerdem merken die jungen Menschen, die lange nichts anderes als Merkel und ihre Stillstandspolitik gekannt haben, dass es doch eine Alternative hin zu mehr Gerechtigkeit gibt. Das haben andere SPD-Kanzlerkandidaten vorher unzweifelhaft nicht geschafft und das hat sicher auch mit seiner Biographie zu tun: Die Sorgen, die Schulz anspricht, z.B. keinen unbefristeten Job oder keine bezahlbare Wohnung zu finden, oder vielleicht in der Schule oder in der Ausbildung zu versagen, kennen viele junge Menschen. Merkel kennt das vielleicht aus Erzählungen, aber hat vieles davon tatsächlich selbst erlebt.

Du wurdest auf dem letzten Juso-Landesausschuss mit einer deutlichen Mehrheit zum Spitzenkandidaten der Jusos Baden-Württemberg für die Bundestagswahl gewählt. Was bedeutet diese Rolle für dich?

Spitzenkandidat der Jusos zu sein heißt für mich, nicht nur in meinem Wahlkreis, sondern im ganzen Land als junger Kandidat junge Menschen für sozialdemokratische Politik zu begeistern. Die SPD war immer dann stark, wenn sie es geschafft hat, junge Menschen wirklich von sich zu überzeugen. Glaubwürdige Politik für die junge Generation kann die SPD aber nur dann machen, wenn sie auch diejenigen im Bundestag mitentscheiden lässt, die die Sorgen und Ängste junger Menschen nicht nur nachempfinden können, sondern diese selbst haben. Ich will versuchen, mit der Spitzenkandidatur nicht nur die Stimmen der jungen Generation in die SPD Baden-Württemberg zu tragen, sondern auch nach außen zu zeigen, dass junge Menschen bei der SPD auch dann einen Platz haben, wenn es ums konkrete Mitentscheiden geht.

In diesem Sinne war ja auf dem letzten Landesausschuss spürbar, dass sich die Jusos vom Erneuerungsprozess der Partei erhoffen, dass er in einer Landesgruppe mündet, die noch stärker alle Altersgruppen abbildet – und auch einfordern, dass jungen Kandidaten auf der Landesliste stärker Berücksichtigung finden. Mit welcher Haltung gehst du in den Listenparteitag am 11. März?

Die SPD in Baden-Württemberg hat beim Erneuerungsprozess gezeigt, dass es wichtig ist, sich breiter und auch jünger aufzustellen und die gesamte Breite der Bevölkerung abzubilden. Beim Parteitag der Bayern SPD konnte man aber sehen, was passiert, wenn der berechtigte Anspruch der Jungen auf Berücksichtigung bei der Landesliste und Parteistrukturen aufeinander prallen.

Wir haben als Jusos Baden-Württemberg deshalb den Anspruch formuliert, dass es der SPD gelingen muss, einen jungen Menschen im Juso-Alter auf einem wirklich sicheren Listenplatz unterzubringen. Uns geht es dabei aber nicht um eine vermessene Forderung nach einem Platz unter den Top 10, sondern wirklich darum, dass die SPD berücksichtigt, dass neben Strukturen auch die Glaubwürdigkeit für junge Menschen bei der Bundestagswahl eine große Rolle spielt.

Und mit welchen Themen für die Wahl verbindet sich das gerade aus junger Perspektive?

Bei der Bundestagswahl wird es um einen Wechsel an der Regierung gehen: Weg von der eingeschlafenen Merkel, die alles so behalten will, wie es ist, hin zu Reformen, die mehr Gerechtigkeit und eine Perspektive für die junge Generation bieten. Da geht es darum, dass junge Menschen das Gefühl haben wollen, dass sie selbst ihr Leben in Angriff nehmen können und nicht von Anfang an außen vor sind, weil sie einen Migrationshintergrund haben oder aus einer armen Familie kommen. Da geht es aber auch konkret um weniger befristete Jobs oder eine Mindestauszubildendenvergütung. Wir müssen dafür sorgen, dass junge Menschen nicht wie ArbeitnehmerInnen zweiter Klasse behandelt werden und genauso von ihrer Arbeit leben können, wie andere auch.

Für den Juso-Landesverband sind die Digitalisierung und Haltung gegen Rechts ganz wesentliche Anliegen. Du hast als Landesvorsitzender angekündigt, das mit in den Wahlkampf zu nehmen…

Absolut. Es ist wichtig, dass sich dieses Land endlich offensiv der Digitalisierung stellt. Das gilt für die Infrastruktur -wenn es um den Netzausbau oder besseren Handyempfang und öffentliches W-Lan geht – aber auch für die Bildung und Qualifizierung. Auch wir Jungen merken, dass sich die Jobs und Berufsbilder immer mehr verändern. Und es kann ja nicht sein, dass wir Lehrern und Ausbildern die Technik und Software erklären müssen, statt andersrum! Junge Menschen wollen außerdem Antworten darauf, wie sich Flexibilisierung positiv auf ihr Leben auswirken kann, ohne dass sie ständig erreichbar sein müssen.

Es geht mir aber auch ganz grundlegend um die Richtung unserer Gesellschaft – nicht nur in Deutschland, sondern in einer sich verändernden Welt. Brexit, Trump und die starke AfD bei Landtagswahlen haben jungen Menschen gezeigt, dass der Kampf gegen Rechts und für die Demokratie nicht von selbst läuft. Wenn Deutschland gegen Rechtspopulisten und Lügner aufstehen will, geht das mit einem starken Bundeskanzler Schulz und der SPD besser, als mit einer Merkel-CDU mit der CSU im Schlepptau.

Welche Rolle werden die Jusos im Kampf um das Kanzleramt spielen?

Wir Jusos haben unglaublich Bock auf diesen Wahlkampf. Wir werden durch kreative und neue Kampagnenformen zeigen, dass es sich lohnt mit der SPD für mehr Gerechtigkeit und Martin Schulz als Bundeskanzler zu kämpfen. Und weil die Jusos nicht nur beim Plakate aufhängen, Flyer verteilen und bei den Infoständen unterstützen, sondern auch online und durch kreative Aktionen oder Veranstaltungen für jeden unserer Bundestagskandidaten vor Ort kämpfen, wird Martin Schulz am 24. September guten Gewissens sagen können: ohne die Jusos wäre er wohl nie Kanzler geworden.

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