Mehr Jugendbeteiligung wagen!

Mehr Jugendbeteiligung wagen!

Kontra 2020

von Daniel Krusic, KV Esslingen

Die Politik schaut immer mehr auf die Interessen der älteren Generation und die Jugend rebelliert dagegen auf. Wie müssen wir unser System verändern, damit sich die Jugendlichen gehört fühlen und etwas verändern können?

Seit August 2018 gehen weltweit Millionen begeisterte und engagierte Jugendliche auf die Straßen, um für ihr Anliegen zu demonstrieren und zu kämpfen. So eine Jugendbewegung hat es seit Jahren in diesem Ausmaß nicht mehr gegeben.

Doch anstatt darüber zu diskutieren, wie man diese engagierten Jugendlichen in unsere Demokratie mit einbeziehen kann und wie wir ihre Anliegen ernst nehmen können, wurde monatelang darüber diskutiert, ob es legitim sei, für seine Ziele die Schule zu schwänzen.

Das wurde den Millionen Jugendlichen nicht gerecht.

Doch nun gilt es darüber zu diskutieren, wie wir unser System verändern müssen, um diese jungen Menschen stärker mit einzubeziehen, und ihnen die Möglichkeiten zu geben, ihre Anliegen vorzubringen.

Das funktioniert am besten auf der Ebene, die alle Jugendlichen verbindet: Die Schule.

Die SMVen sind bisher eine Vereinigung aus Jugendlichen, die Weihnachtsfeiern oder Sommerfeste ausrichten und Kuchen für einen Verein verkaufen, der sich für einen Bau von Schulen in Uganda einsetzt.

Bei großen Entscheidungen an den Schulen, über weitere Materialbeschaffungen, Personalentscheidungen oder das Essen in der Kantine, haben die meisten SMVen nicht einmal die Möglichkeit, ihre Meinung dazu abzugeben. Das ist falsch!

Wir müssen Jugendliche im demokratischen Geist erziehen und das heißt, ihnen die Möglichkeiten geben, mitzuarbeiten, ihre Meinung zu äußern, gehört zu werden, Kompromisse zu schließen und die Schule so zu formen, das jede*r Schüler*in sich damit identifizieren kann.

An den Schulen darf es aber nicht aufhören!

Im § 41a der Gemeindeordnung von Baden-Württemberg steht geschrieben: „Die Gemeinde soll Kinder und muss Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, in angemessener Weise beteiligen“.

Dieser Paragraph wird aber in weiten Teilen dieses Landes nicht umgesetzt. Abgesehen von den großen Städten, wo es viele engagierte Jugendliche gibt, die auf Jugendbeteiligung pochen, wird in den kleineren Kommunen das Argument der geringen Anzahl von Jugendlichen aufgegriffen. Dieses ist aber nur eine oft genutzte Ausrede, um die „lästige“ Jugendbeteiligung unter den Teppich „zu kehren“.

Gerade an den Haupt- und Werkrealschulen muss die Jugendbeteiligung intensiviert werden. Diese Schulformen sind in allen weiteren Organisationen unterrepräsentiert, unter anderem, da über Demokratie und Politik noch weniger diskutiert und gelehrt wird als auf Gymnasien oder Gesamtschulen.

Wir müssen kleine und finanziell schwache Kommunen mit genügend finanziellen und personellen Mitteln ausstatten, um keine weitere Kluft zwischen Stadt und Land aufkommen zu lassen. Gerade in den Gegenden, die von Abwanderung geprägt sind und kaum Jugendliche haben, muss es zur Priorität werden, diese zu beteiligen. Dies fördert die Identität mit der Gemeinde und könnte eventuell die 




Landflucht von jungen Menschen verhindern.

In meiner Gemeinde, Leinfelden-Echterdingen, gründeten meinem besten Freund, Lukas Niechziol, und ich gemeinsam den Jugendgemeinderat. Innerhalb von zwei Jahren setzten wir das Freie WLAN auf einem beliebten Aufenhaltsort in der Gemeinde um, beteiligten uns an der Neuplanung zum örtlichen Jugenhaus und organisierten eine Stadtputze.

Der Paragraph 41a ist gerade deswegen so schwammig formuliert, damit kleinere Kommunen aus finanziellen Gründen keine institutionelle Jugendbeteiliung einführen müssen, sondern eher die Möglichkeit erhalten, sich individuell auf die gegebene Situation anzupassen,  z.B. in Form von Jugendleiterteams, Jugendforen, Jugendhearings, Projektbeteiligungen etc.

Ein wichtiger Aspekt in der Jugendbeteiligung ist die Jugendarbeit.

Mit ihren Jugendhäusern, ihrer mobilen Jugendarbeit, ihren Gesprächsrunden, Aufklärungsarbeiten in allen Themenbereichen und weiteren Projekten sind sie die Stütze der Jugendlichen. Ohne sie wäre unser Land nicht da wo es heute steht. Sie müssen unbedingt in die Jugendbeteiligungsformen mit einbezogen werden und mehr finanzielle und personelle Mittel zur Verfügung gestellt bekommen.

Die anderen Ebenen dürfen sich aber auch nicht aus der Verantwortung ziehen.

Auf Kreisebene lassen sich genauso Jugendbeteiligungsformen aufbauen.

Bestes Beispiel ist der Landkreis Esslingen, der als erster Landkreis in ganz Baden-Württemberg letztes Jahr ein kreisweites Jugendbeteiligungsgremium ins Leben gerufen hat.

Auf Landes-, Bundes- und Europaebene wäre die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre sinnvoll, das dazu führen würde, dass sich Parteien stärker um die jungen Wähler kümmern würden und Ihre Wahlprogramme mehr an die Bedürfnisse junger Menschen ausrichten würden.

Für alle Ebenen würde es sich für die Parteien anbieten, intern eine Jugendquote auf aussichtsreiche Parlamentsmandate einzuführen, um die Unterrepräsentation der jungen Bevölkerung in den Parlamenten entgegen zu wirken. Denn oft ist es als junger engagierter Mensch sehr schwer an die aussichtsreichen Plätze zu kommen, da man nicht über die langjährigen Kontakte verfügt wie andere. Oftmals sehen es die Alteingesessenen nicht ein, einen jungen Kandidaten auf die aussichtsreichen Listenplätze zu setzen.

Das wichtigste jedoch ist, nicht aufzugeben. Es wird immer wieder Projekte und Formen geben, die nicht realisiert oder von Jugendlichen nicht angenommen werden. Dann gilt es, den Kopf nicht in den Sand zu stecken und das Thema Jugendbeteiligung nicht wieder für die nächsten Jahre zu vergraben, sondern zu reflektieren, verbessern, verändern und neue Versuche zu starten.

Wir brauchen einen Wandel: Wir müssen den Jugendlichen stärker zuhören, sie ernst nehmen und sie mit einbinden. Nur so gelingt es uns auch in Zukunft, unsere Demokratie zu stärken.

Wir müssen mehr Jugendbeteiligung wagen!

Zur Person des Autors:

Daniel Krusic ist Kreisvorsitzender der Jusos Esslingen und macht seine Ausbildung zum Steuerfachangestellten.

©2020

Kontra 2020

von Daniel Krusic, KV Esslingen

Die Politik schaut immer mehr auf die Interessen der älteren Generation und die Jugend rebelliert dagegen auf. Wie müssen wir unser System verändern, damit sich die Jugendlichen gehört fühlen und etwas verändern können?

Seit August 2018 gehen weltweit Millionen begeisterte und engagierte Jugendliche auf die Straßen, um für ihr Anliegen zu demonstrieren und zu kämpfen. So eine Jugendbewegung hat es seit Jahren in diesem Ausmaß nicht mehr gegeben.

Doch anstatt darüber zu diskutieren, wie man diese engagierten Jugendlichen in unsere Demokratie mit einbeziehen kann und wie wir ihre Anliegen ernst nehmen können, wurde monatelang darüber diskutiert, ob es legitim sei, für seine Ziele die Schule zu schwänzen.

Das wurde den Millionen Jugendlichen nicht gerecht.

Doch nun gilt es darüber zu diskutieren, wie wir unser System verändern müssen, um diese jungen Menschen stärker mit einzubeziehen, und ihnen die Möglichkeiten zu geben, ihre Anliegen vorzubringen.

Das funktioniert am besten auf der Ebene, die alle Jugendlichen verbindet: Die Schule.

Die SMVen sind bisher eine Vereinigung aus Jugendlichen, die Weihnachtsfeiern oder Sommerfeste ausrichten und Kuchen für einen Verein verkaufen, der sich für einen Bau von Schulen in Uganda einsetzt.

Bei großen Entscheidungen an den Schulen, über weitere Materialbeschaffungen, Personalentscheidungen oder das Essen in der Kantine, haben die meisten SMVen nicht einmal die Möglichkeit, ihre Meinung dazu abzugeben. Das ist falsch!

Wir müssen Jugendliche im demokratischen Geist erziehen und das heißt, ihnen die Möglichkeiten geben, mitzuarbeiten, ihre Meinung zu äußern, gehört zu werden, Kompromisse zu schließen und die Schule so zu formen, das jede*r Schüler*in sich damit identifizieren kann.

An den Schulen darf es aber nicht aufhören!

Im § 41a der Gemeindeordnung von Baden-Württemberg steht geschrieben: „Die Gemeinde soll Kinder und muss Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, in angemessener Weise beteiligen“.

Dieser Paragraph wird aber in weiten Teilen dieses Landes nicht umgesetzt. Abgesehen von den großen Städten, wo es viele engagierte Jugendliche gibt, die auf Jugendbeteiligung pochen, wird in den kleineren Kommunen das Argument der geringen Anzahl von Jugendlichen aufgegriffen. Dieses ist aber nur eine oft genutzte Ausrede, um die „lästige“ Jugendbeteiligung unter den Teppich „zu kehren“.

Gerade an den Haupt- und Werkrealschulen muss die Jugendbeteiligung intensiviert werden. Diese Schulformen sind in allen weiteren Organisationen unterrepräsentiert, unter anderem, da über Demokratie und Politik noch weniger diskutiert und gelehrt wird als auf Gymnasien oder Gesamtschulen.

Wir müssen kleine und finanziell schwache Kommunen mit genügend finanziellen und personellen Mitteln ausstatten, um keine weitere Kluft zwischen Stadt und Land aufkommen zu lassen. Gerade in den Gegenden, die von Abwanderung geprägt sind und kaum Jugendliche haben, muss es zur Priorität werden, diese zu beteiligen. Dies fördert die Identität mit der Gemeinde und könnte eventuell die Landflucht von jungen Menschen verhindern.

In meiner Gemeinde, Leinfelden-Echterdingen, gründeten meinem besten Freund, Lukas Niechziol, und ich gemeinsam den Jugendgemeinderat. Innerhalb von zwei Jahren setzten wir das Freie WLAN auf einem beliebten Aufenhaltsort in der Gemeinde um, beteiligten uns an der Neuplanung zum örtlichen Jugenhaus und organisierten eine Stadtputze.

Der Paragraph 41a ist gerade deswegen so schwammig formuliert, damit kleinere Kommunen aus finanziellen Gründen keine institutionelle Jugendbeteiliung einführen müssen, sondern eher die Möglichkeit erhalten, sich individuell auf die gegebene Situation anzupassen,  z.B. in Form von Jugendleiterteams, Jugendforen, Jugendhearings, Projektbeteiligungen etc.

Ein wichtiger Aspekt in der Jugendbeteiligung ist die Jugendarbeit.

Mit ihren Jugendhäusern, ihrer mobilen Jugendarbeit, ihren Gesprächsrunden, Aufklärungsarbeiten in allen Themenbereichen und weiteren Projekten sind sie die Stütze der Jugendlichen. Ohne sie wäre unser Land nicht da wo es heute steht. Sie müssen unbedingt in die Jugendbeteiligungsformen mit einbezogen werden und mehr finanzielle und personelle Mittel zur Verfügung gestellt bekommen.

Die anderen Ebenen dürfen sich aber auch nicht aus der Verantwortung ziehen.

Auf Kreisebene lassen sich genauso Jugendbeteiligungsformen aufbauen.

Bestes Beispiel ist der Landkreis Esslingen, der als erster Landkreis in ganz Baden-Württemberg letztes Jahr ein kreisweites Jugendbeteiligungsgremium ins Leben gerufen hat.

Auf Landes-, Bundes- und Europaebene wäre die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre sinnvoll, das dazu führen würde, dass sich Parteien stärker um die jungen Wähler kümmern würden und Ihre Wahlprogramme mehr an die Bedürfnisse junger Menschen ausrichten würden.

Für alle Ebenen würde es sich für die Parteien anbieten, intern eine Jugendquote auf aussichtsreiche Parlamentsmandate einzuführen, um die Unterrepräsentation der jungen Bevölkerung in den Parlamenten entgegen zu wirken. Denn oft ist es als junger engagierter Mensch sehr schwer an die aussichtsreichen Plätze zu kommen, da man nicht über die langjährigen Kontakte verfügt wie andere. Oftmals sehen es die Alteingesessenen nicht ein, einen jungen Kandidaten auf die aussichtsreichen Listenplätze zu setzen.

Das wichtigste jedoch ist, nicht aufzugeben. Es wird immer wieder Projekte und Formen geben, die nicht realisiert oder von Jugendlichen nicht angenommen werden. Dann gilt es, den Kopf nicht in den Sand zu stecken und das Thema Jugendbeteiligung nicht wieder für die nächsten Jahre zu vergraben, sondern zu reflektieren, verbessern, verändern und neue Versuche zu starten.

Wir brauchen einen Wandel: Wir müssen den Jugendlichen stärker zuhören, sie ernst nehmen und sie mit einbinden. Nur so gelingt es uns auch in Zukunft, unsere Demokratie zu stärken.

Wir müssen mehr Jugendbeteiligung wagen!

Zur Person des Autors:

Daniel Krusic ist Kreisvorsitzender der Jusos Esslingen und macht seine Ausbildung zum Steuerfachangestellten.

©2020