„Vom Ende der Schlange an die Spitze!“ – Gründung einer JSAG Baden-Württemberg

„Vom Ende der Schlange an die Spitze!“ – Gründung einer JSAG Baden-Württemberg

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Kontra 2020

Wenn es um das Thema „Minderheiten“ geht sind die Jusos Vorreiter in vielen Bereichen, denn Vielfalt und Verschiedenartigkeit prägen die Jusos Baden-Württemberg, wie kaum ein anderer politischer Jugendverband. Das ist auch gut so! Doch eine „Randgruppe“ innerhalb der Jusos wurde in den vergangenen Jahren leider vernachlässigt. Und dabei verdient diese Gruppe mehr Beachtung. So zählte man im Jahr 2018 immerhin fast 191.000 Personen in Baden-Württemberg. Unser Motto sollte deshalb lauten: „Wer, wenn nicht wir?“

Als Auszubildende*r fühlt man sich in unserer Partei nicht gerade überrepräsentiert, gibt es doch sehr wahrscheinlich mehr Studierende als Auszubildende bei den Jusos Baden-Württemberg. Da liegt es natürlich in der Natur der Sache, dass die Studierenden besser vernetzt sind durch die Juso-Hochschulgruppen und zuletzt auch besser vertreten. Immerhin gibt es drei Landeskoordinatoren für die Juso-Hochschulgruppen und somit auch drei Personen, an die sich die Genossen wenden können, wenn es um Hochschulangelegenheiten geht. Leider gibt es für die Auszubildenden keinen direkten Ansprechpartner bei den Jusos Baden-Württemberg. Noch nicht!

Die vergangene Landesdelegiertenkonferenz macht Hoffnung. Mit überwältigender Mehrheit wurde der Antrag der Jusos Mannheim zur Gründung einer Auszubildenden und Schüler*innen Gruppe angenommen. Dieser Antrag bildet das Fundament, auf das wir nun bauen können, um nicht nur eine echte Vertretung zu schaffen, sondern auch um konkrete Politik für Auszubildende zu machen. Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass dieser Schritt überfällig war, sind wir immerhin der Einzige von 16 Landesverbänden bei den Jusos ohne entsprechende innerparteiliche Repräsentation. Das sollte uns aber nicht davon abhalten zukünftig die Partei für junge Auszubildende und Schüler*innen in Baden-Württemberg zu werden. Wie geht es also weiter?

Der Landesvorstand muss nun die parteirechtlichen Gegebenheiten prüfen, in welcher Art und Weise eine JSAG zustande kommen kann. Ob es am Schluss Landeskoordinatoren, wie bei den Juso-Hochschulgruppen gibt oder ein Landesvorstand für die JSAG gewählt werden muss, ist denke ich nicht entscheidend. Neben der Suche nach engagierten Schüler*innen und Auszubildenden als Vertreter*innen ist der inhaltliche Austausch zentral. Dieser Prozess sollte zügig vorangetrieben werden, denn aus eigenen Erfahrungen und Erlebnissen der jungen Genossen und Genossinnen sowie Wünschen bzw. Vorstellungen an eine Ausbildung müssen zu konkreten politischen Forderungen formuliert werden. Ist es nicht überall so, dass die Betroffenen am besten wissen, was sie wollen und brauchen?

Wurden Forderungen erarbeitet können wir diese nach außen hin vertreten und somit neue Leute für unsere Anliegen begeistern. Mit einer guten Strategie an der Hand kann für echte Verbesserung für Schüler*innen und Auszubildende gekämpft werden.

Damit hat ein Teil der jungen Generation wieder eine Chance und auch für die Jusos kann es sich nur lohnen, sollte wählen ab 16, auf Bundesebene, in Zukunft möglich sein. Auch wenn im Bund mit der CDU in einer großen Koalition in diesem Bereich nicht viel zu machen ist, war doch der positive Einfluss der Jusos zu spüren, denkt man an die Mindestvergütung für Auszubildende,

 

 

was sicherlich kein Verdienst der Union ist. Der SPD und allen voran den Jusos ist es zu verdanken, dass sich junge Menschen in Ausbildung auf ein Minimum von 515 Euro im ersten Ausbildungsjahr freuen können. Das kann man sehr wohl als Schritt in die richtige Richtung sehen, auch wenn dieser Schritt ein „Hennadepperla“, wie man im Schwäbischen so schön sagt, auf einem langen Weg ist. Für die Nicht-Schwaben unter den Kontra-Lesern sei erklärt, dass es sich bei einem „Hennadepperla“ wörtlich übersetzt um einen „Hühnerfuß“ handelt, also die Schrittlänge eines Huhns.

Zurück zum Thema Mindestvergütung: Geholfen ist damit leider Wenigen, gilt die Mindestvergütung für Azubis nur für Ausbildungsverhältnisse, die im Jahr 2020 begonnen wurden. Hat man seine Ausbildung allerdings 2019 begonnen gilt hier wohl der alte Spruch: „Knapp vorbei ist auch daneben“. Als Jusos sollten wir uns damit nicht zufriedengeben, auch wenn die Mindestvergütung für Azubis im Jahr 2022 auf 620 Euro steigt. Verdient selbst ein/e Auszubildende*r zum Steinmetz, einer der schlechtbezahltesten Ausbildungsberufe, im Durchschnitt heute schon 623 Euro. Muss man von diesem Gehalt ein Auto oder Miete bezahlen, wird man vermutlich auf elterliche Unterstützung angewiesen sein. Und vergessen wir mal nicht, dass es sich hierbei, um den Bruttolohn handelt.

Ein weiteres, eher unbekannteres Thema sind steuerfreie Einmalzahlungen. Sollte man zu den glücklichen Gewinnern der Corona-Krise zählen, dürfen sich vielleicht alle Mitarbeiter*innen über eine steuerfreie Einmalzahlung freuen. Wirklich alle Mitarbeiter*innen? Nein, denn abgesehen von Mitarbeitern, die über Zeitarbeitsfirmen angestellt sind, haben auch Auszubildende keinen Anspruch auf die volle Prämie. Gewährt ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern eine steuerfreie Einmalzahlung, so ist dieser nicht verpflichtet den Auszubildenden die volle Summe zu bezahlen. Laut Gesetz müssen nur 2/3 der Prämie an die Azubis ausgeschüttet werden. Da kann man sich schon fragen, ob die Auszubildenden eines Unternehmens nur zu 2/3 am Erfolg des Unternehmens beteiligt waren. Gerade bei Azubis im 2. und 3. Lehrjahr, die nicht nur Hilfstätigkeiten übernehmen, sondern voll mitarbeiten oder bereits in Ihrer Übernahmeabteilung sind. Zudem stieg die Belastung für die jungen Angestellten in der Corona-Krise und es musste deutlich mehr geleistet werden, gerade weil andere Mitarbeiter*innen nicht voll einsatzfähig waren, z. B. wegen fehlender Kinderbetreuung.

An dieser Stelle könnte man noch viele weitere Beispiele bringen, wie z. B. das Thema „Lerninhalte“. In wie vielen Handwerksberufen ist ein/e Auszubildende*r fast das komplette erste Lehrjahr beschäftigt Hilfstätigkeiten zu übernehmen und täglich die Werkstatt zu kehren, ohne einen wesentlichen Fortschritt in der Ausbildung zu erlangen.

 

Zusammengefasst stehen wir am Anfang einer langen Reise, doch sollte uns die massiven Herausforderungen auf der Strecke nicht aufhalten diesen Weg zu gehen. Wir haben nun bewusst den Grundstein gelegt, um Schüler*innen und junge Auszubildende in den Fokus unserer Arbeit zu stellen. Wir sollten jetzt nicht nachlassen und weiter unser gemeinsames Ziel verfolgen. Dafür brauchen wir Mut und Schwung, genau wie wir diesen bei der letzten LDK gezeigt haben. Lasst uns vorangehen, mit keinem geringeren Ziel als, „Vom Ende der Schlange an die Spitze!“

©2020

Kontra 2020

Wenn es um das Thema „Minderheiten“ geht sind die Jusos Vorreiter in vielen Bereichen, denn Vielfalt und Verschiedenartigkeit prägen die Jusos Baden-Württemberg, wie kaum ein anderer politischer Jugendverband. Das ist auch gut so! Doch eine „Randgruppe“ innerhalb der Jusos wurde in den vergangenen Jahren leider vernachlässigt. Und dabei verdient diese Gruppe mehr Beachtung. So zählte man im Jahr 2018 immerhin fast 191.000 Personen in Baden-Württemberg. Unser Motto sollte deshalb lauten: „Wer, wenn nicht wir?“

Als Auszubildende*r fühlt man sich in unserer Partei nicht gerade überrepräsentiert, gibt es doch sehr wahrscheinlich mehr Studierende als Auszubildende bei den Jusos Baden-Württemberg. Da liegt es natürlich in der Natur der Sache, dass die Studierenden besser vernetzt sind durch die Juso-Hochschulgruppen und zuletzt auch besser vertreten. Immerhin gibt es drei Landeskoordinatoren für die Juso-Hochschulgruppen und somit auch drei Personen, an die sich die Genossen wenden können, wenn es um Hochschulangelegenheiten geht. Leider gibt es für die Auszubildenden keinen direkten Ansprechpartner bei den Jusos Baden-Württemberg. Noch nicht!

Die vergangene Landesdelegiertenkonferenz macht Hoffnung. Mit überwältigender Mehrheit wurde der Antrag der Jusos Mannheim zur Gründung einer Auszubildenden und Schüler*innen Gruppe angenommen. Dieser Antrag bildet das Fundament, auf das wir nun bauen können, um nicht nur eine echte Vertretung zu schaffen, sondern auch um konkrete Politik für Auszubildende zu machen. Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass dieser Schritt überfällig war, sind wir immerhin der Einzige von 16 Landesverbänden bei den Jusos ohne entsprechende innerparteiliche Repräsentation. Das sollte uns aber nicht davon abhalten zukünftig die Partei für junge Auszubildende und Schüler*innen in Baden-Württemberg zu werden. Wie geht es also weiter?

Der Landesvorstand muss nun die parteirechtlichen Gegebenheiten prüfen, in welcher Art und Weise eine JSAG zustande kommen kann. Ob es am Schluss Landeskoordinatoren, wie bei den Juso-Hochschulgruppen gibt oder ein Landesvorstand für die JSAG gewählt werden muss, ist denke ich nicht entscheidend. Neben der Suche nach engagierten Schüler*innen und Auszubildenden als Vertreter*innen ist der inhaltliche Austausch zentral. Dieser Prozess sollte zügig vorangetrieben werden, denn aus eigenen Erfahrungen und Erlebnissen der jungen Genossen und Genossinnen sowie Wünschen bzw. Vorstellungen an eine Ausbildung müssen zu konkreten politischen Forderungen formuliert werden. Ist es nicht überall so, dass die Betroffenen am besten wissen, was sie wollen und brauchen?

Wurden Forderungen erarbeitet können wir diese nach außen hin vertreten und somit neue Leute für unsere Anliegen begeistern. Mit einer guten Strategie an der Hand kann für echte Verbesserung für Schüler*innen und Auszubildende gekämpft werden.

Damit hat ein Teil der jungen Generation wieder eine Chance und auch für die Jusos kann es sich nur lohnen, sollte wählen ab 16, auf Bundesebene, in Zukunft möglich sein. Auch wenn im Bund mit der CDU in einer großen Koalition in diesem Bereich nicht viel zu machen ist, war doch der positive Einfluss der Jusos zu spüren, denkt man an die Mindestvergütung für Auszubildende, was sicherlich kein Verdienst der Union ist. Der SPD und allen voran den Jusos ist es zu verdanken, dass sich junge Menschen in Ausbildung auf ein Minimum von 515 Euro im ersten Ausbildungsjahr freuen können. Das kann man sehr wohl als Schritt in die richtige Richtung sehen, auch wenn dieser Schritt ein „Hennadepperla“, wie man im Schwäbischen so schön sagt, auf einem langen Weg ist. Für die Nicht-Schwaben unter den Kontra-Lesern sei erklärt, dass es sich bei einem „Hennadepperla“ wörtlich übersetzt um einen „Hühnerfuß“ handelt, also die Schrittlänge eines Huhns.

Zurück zum Thema Mindestvergütung: Geholfen ist damit leider Wenigen, gilt die Mindestvergütung für Azubis nur für Ausbildungsverhältnisse, die im Jahr 2020 begonnen wurden. Hat man seine Ausbildung allerdings 2019 begonnen gilt hier wohl der alte Spruch: „Knapp vorbei ist auch daneben“. Als Jusos sollten wir uns damit nicht zufriedengeben, auch wenn die Mindestvergütung für Azubis im Jahr 2022 auf 620 Euro steigt. Verdient selbst ein/e Auszubildende*r zum Steinmetz, einer der schlechtbezahltesten Ausbildungsberufe, im Durchschnitt heute schon 623 Euro. Muss man von diesem Gehalt ein Auto oder Miete bezahlen, wird man vermutlich auf elterliche Unterstützung angewiesen sein. Und vergessen wir mal nicht, dass es sich hierbei, um den Bruttolohn handelt.

Ein weiteres, eher unbekannteres Thema sind steuerfreie Einmalzahlungen. Sollte man zu den glücklichen Gewinnern der Corona-Krise zählen, dürfen sich vielleicht alle Mitarbeiter*innen über eine steuerfreie Einmalzahlung freuen. Wirklich alle Mitarbeiter*innen? Nein, denn abgesehen von Mitarbeitern, die über Zeitarbeitsfirmen angestellt sind, haben auch Auszubildende keinen Anspruch auf die volle Prämie. Gewährt ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern eine steuerfreie Einmalzahlung, so ist dieser nicht verpflichtet den Auszubildenden die volle Summe zu bezahlen. Laut Gesetz müssen nur 2/3 der Prämie an die Azubis ausgeschüttet werden. Da kann man sich schon fragen, ob die Auszubildenden eines Unternehmens nur zu 2/3 am Erfolg des Unternehmens beteiligt waren. Gerade bei Azubis im 2. und 3. Lehrjahr, die nicht nur Hilfstätigkeiten übernehmen, sondern voll mitarbeiten oder bereits in Ihrer Übernahmeabteilung sind. Zudem stieg die Belastung für die jungen Angestellten in der Corona-Krise und es musste deutlich mehr geleistet werden, gerade weil andere Mitarbeiter*innen nicht voll einsatzfähig waren, z. B. wegen fehlender Kinderbetreuung.

An dieser Stelle könnte man noch viele weitere Beispiele bringen, wie z. B. das Thema „Lerninhalte“. In wie vielen Handwerksberufen ist ein/e Auszubildende*r fast das komplette erste Lehrjahr beschäftigt Hilfstätigkeiten zu übernehmen und täglich die Werkstatt zu kehren, ohne einen wesentlichen Fortschritt in der Ausbildung zu erlangen.

Zusammengefasst stehen wir am Anfang einer langen Reise, doch sollte uns die massiven Herausforderungen auf der Strecke nicht aufhalten diesen Weg zu gehen. Wir haben nun bewusst den Grundstein gelegt, um Schüler*innen und junge Auszubildende in den Fokus unserer Arbeit zu stellen. Wir sollten jetzt nicht nachlassen und weiter unser gemeinsames Ziel verfolgen. Dafür brauchen wir Mut und Schwung, genau wie wir diesen bei der letzten LDK gezeigt haben. Lasst uns vorangehen, mit keinem geringeren Ziel als, „Vom Ende der Schlange an die Spitze!“

©2020